
Dieser Moment, als ich Herthaner wurde
War es der erste Schal, den eure Eltern euch auf dem Weg zum Spiel gekauft haben? War es der erste durchs Olympiastadion hallende Hertha-Fangesang, der euch nachhaltig beeindruckt hat? Oder doch die Kunststücke einzelner Blau-Weißer auf dem grünen Rasen – von Ete Beer über Marcelinho bis hin zu Marko Pantelić? Jede Herthanerin und jeder Herthaner hat einen eigenen Weg in unsere blau-weiße Familie. Unser Hauptstadtclub sucht genau diese Geschichten – diesen Moment, als ihr Herthaner geworden seid.
Von der Oberliga bis zur Champions League
Beinahe hätte Ronald Toplak etwas Historisches verpasst. Glücklicherweise hörte er als kleiner Junge aber auf seinen Vater und blieb bei seinem ersten Besuch im Olympiastadion im September 1969 noch etwas länger. Nicht, dass der gebürtige Charlottenburger bei einem Bundesliga-Rekord die Hauptveranstaltung einfach verpasst hätte. Über 88.000 Zuschauerinnen und Zuschauer trafen sich zu jenem Spiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln im weiten Rund. Bis in die Gegenwart ein unangetasteter Rekord in der Bundesliga. Mittendrin: ein Vierjähriger.
Das Spiel gegen die Geißböcke entschieden unsere Berliner durch ein Tor von Wolfgang Gayer mit 1:0 für sich. „Nach dem Aufwärmen wollte ich schon nach Hause gehen, weil ich dachte, dass es vorbei sei. Da hat mir mein Vater erklärt, dass es jetzt erst richtig losgehen würde“, erzählt Toplak lachend. Danach war der Spandauer von den Blau-Weißen nicht mehr wegzukriegen und erlebte so ziemlich alles, was unser Verein zu bieten hatte.
Der West-Berliner kann praktisch zu jedem der vielen Eckpunkte, die die Geschichte von Hertha BSC ausmachen, eine Anekdote erzählen. Er war im Prinzip immer live dabei. Ob Aufstiege, Abstiege, besondere Tore, das berühmte Nebelspiel gegen den FC Barcelona oder eben jenes Spiel gegen den FC. Wenn es nicht gerade um die Deutschen Meisterschaften in den 1930er Jahren geht, wirkt es so, als hätte der Blau-Weiße jedes Extrem mit der Alten Dame durchgemacht. „Von der Oberliga bis zur Champions League war ich wirklich überall dabei“, versichert der inzwischen 60-Jährige.

Von Oma gestrickt – im Faschingskostüm zum Rekordspiel
Mit vier Jahren entflammte in Toplaks Herzen also das Feuer für Hertha BSC. Auf das Spiel gegen die Domstädter war der junge Spross so gut vorbereitet, dass es den Rahmenbedingungen für ein Rekordspiel der Extraklasse angemessen war. „Im selben Jahr bin ich zu Fasching als Hertha-Fan gegangen. Die Fahne hatte meine Oma genäht, den Schal hat sie mir gestrickt. Das war dann auch mein Outfit für meinen ersten Stadionbesuch“, berichtet der glühende Anhänger stolz.
„Und dann standen mein alter Herr und ich in dieser Masse an Fans im Oberring. Es war atemberaubend. Offiziell waren 88.075 Menschen da. Und das ist ja schon ein Bundesliga-Rekord. Aber wenn man sich mal Bilder von damals ansieht, kann ich schon nachvollziehen, warum manch einer munkelt, dass das sogar 120.000 Fans gewesen sein könnten“, erzählt der Journalist. „Damals gabs ja noch keine Sitzschalen, sondern durchgehende Holzbänke. Und die Treppen waren auch voll. Unvorstellbar aus heutiger Sicht!“
Ein Mosaiksteinchen des Rekords
Toplak ist bis in die Gegenwart voll der Schwärmerei für das Erlebnis: „Ich fand das damals einfach cool. Mein Vater hat mich durchgehend festgehalten, um mich nicht zu verlieren! Und viele Jahre später kann ich stolz sagen, dass wir Mosaiksteinchen dieses Rekords sind.“ Anschließend folgten große Zeiten für Hertha BSC. In den 1970er Jahren schaffte es die Elf von der Spree regelmäßig, sich in die Spitzengruppe der Bundesliga zu spielen. „Aus der Zeit stammen auch alle meine Idole. Ete Beer natürlich allen voran, Holger Brück oder ‚Ellis‘ Granitza, mit dem ich seit vielen Jahren befreundet bin. Das war eine großartige Zeit!“, erzählt Toplak in Erinnerungen schwelgend.
Der Ur-Herthaner ist voller spannender, lustiger und skurriler Anekdoten aus über 50 Jahren Fandasein – und beruflicher Berührungspunkte. Über 30 Jahre lang war Toplak Sportjournalist beim Berliner Kurier. Er nutzte die Möglichkeit, seinem geliebten Verein auch auf professioneller Ebene nahe zu sein. „Da sind schöne Begegnungen entstanden. Ob mit Spielern aus den 1990er Jahren oder später auch mit Kay Bernstein. Es wurde nie langweilig!“, erzählt der Autor. „Mittlerweile habe ich auch meine beiden Patentöchter zu Herthanerinnen gemacht“, erzählt der ehemalige Redakteur stolz. Ronald Toplak – ein Mosaiksteinchen eines großen Vereins.