Ibrahim Maza steht auf einem Turm am Olympiastadion und zeigt sein Trikot.
Profis | 30. August 2024, 14:00 Uhr

„Es zeigt mir, wie sehr der Verein mich wertschätzt“

Im Schneidersitz auf dem Bett des alten Internatszimmers und mit einigen Fotos in der Hand ließ Ibrahim Maza noch einmal seine bisherige Zeit bei unserer Alten Dame Revue passieren. Immer wieder schmunzelt der 18-Jährige. Manchmal staunt das Eigengewächs auch leicht ungläubig, über das, was er schon alles mit der Fahne auf der Brust erlebt hat: „Krass?!“ Schon im Sommer 2016 war der gebürtige Berliner von den Reinickendorfer Füchsen zu unserem Hauptstadtclub gewechselt. Es folgten zahlreiche Triumphe und Turniersiege mit den Teams unserer Fußball-Akademie sowie erste Meilensteine im Profibereich. Und die blau-weiße Geschichte des Rechtsfußes, dessen elegante Bewegungen auf dem Rasen den Herthanerinnen und Herthanern so viel Spaß bereiten, ist noch längst nicht zu Ende. Schließlich hat der deutsche U-Nationalspieler seinen Vertrag bis 2027 verlängert! „Ich freue mich einfach auf jede einzelne Partie, die da noch kommt“, erklärt Maza im Gespräch mit Redakteur Erik Schmidt. Und es fällt leicht, dem stets und ständig nur so vor Spiellust strotzendem Offensivakteur diese Worte zu glauben. Außerdem sprach unsere 10 im Interview ebenso über seine Rückennummer, die ihm einiges bedeutet. „Es zeigt mir einfach, wie sehr der Verein mich wertschätzt.“ Weitere Themen: Anfänge und Premieren bei Hertha BSC sowie die wichtigsten Gründe für seine Unterschrift

Ibo, herzlichen Glückwunsch zur Vertragsverlängerung! Lass uns aus diesem Anlass ein wenig über deine bisherige Zeit bei unserer Alten Dame reden. Du bist im Juli 2016 von den Reinickendorfer Füchsen gekommen – was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du dich an diesen Sommer erinnerst?
Maza: Ich habe damals einfach nur Fußball gespielt und wusste noch gar nicht so richtig, wie das alles läuft. Als mir mein Vater davon erzählt hat, dass ich zu Hertha wechseln könne, wollte ich das erst gar nicht. Ich wollte viel lieber bei meinen Freunden bleiben. Denn ich habe gedacht, dass ich mich mit den Jungs im neuen Team vielleicht nicht so gut verstehen würde. Ich habe es dann trotzdem gemacht, weil es eine riesige Chance bei einem so großen Verein war. Und ich habe dann auch direkt richtig viel Spaß mit allen gehabt. Es war eine sehr schöne Zeit in der Jugend!

Wie war das damals für dich, plötzlich mit der Fahne auf der Brust zu trainieren und zu spielen?
Maza: Krass! Auch wenn ich das am Anfang noch gar nicht so ganz realisiert habe. Aber irgendwann ist mir dann klar geworden, dass ich jetzt für den einzigen Verein spiele, gegen den wir mit den Füchsen immer so unsere Probleme hatten.

An welche Highlights aus deiner Zeit in der Akademie denkst du heute noch gerne zurück?
Maza: Alle Turniere, alle Spiele waren cool – weil wir die meisten davon natürlich auch gewonnen haben (lacht).

Ibrahim Maza schaut sich Fotos an.
Vertieft in blau-weiße Erinnerungen: Ibrahim Maza auf dem Bett in seinem alten Internatszimmer.

Am 30. April 2023 folgte dann dein Profidebüt im Trikot unseres Hauptstadtclubs – und zwar auswärts in München! Was ging in dem Moment deiner Einwechslung in dir vor?
Maza: Nicht so viel, denn das kam mir alles irgendwie unwirklich vor. Ich stand beim Aufwärmen und dachte mir so: Okay, das ist der FC Bayern, da werde ich niemals eingewechselt. Dann meinte Kuchen (Athletiktrainer Henrik Kuchno, Anm. d. Red.) zu mir, dass ich noch zwei Sprints machen soll und es anschließend losgehen würde. Ich habe sicherheitshalber nachgefragt, ob er wirklich mich meint, weil ich es nicht glauben konnte. Nach den zwei Sprints konnte ich auf dem Weg zur Bank kaum geradeauslaufen – ich war sehr, sehr aufgeregt. Wie krass das alles war, habe ich erst am Tag danach so richtig begriffen (strahlt).

Knapp einen Monat später hast du in Wolfsburg bereits dein erstes Bundesligator nachgelegt. Wie gut kannst du den Treffer hier und jetzt nacherzählen?
Maza: Es ging über die rechte Seite und Marco Richter. Anschließend hat Lucas Tousart den Ball in den Rückraum gespielt und dann habe ich ihn reingehämmert (grinst)!

Es folgte dein erster Jubel. Lief auch da alles wie geplant?
Maza: Ich hatte mir für mein erstes Profitor eigentlich etwas anderes vorgenommen – und zwar einen Knierutscher direkt zur Eckfahne (schmunzelt). Weil wir zu diesem Zeitpunkt aber schon abgestiegen waren, habe ich mich lieber etwas zurückgehalten.

Was bedeutet es dir, dadurch zum nach wie vor jüngsten Hertha-Torschützen der Vereinsgeschichte geworden zu sein?
Maza: Bin ich das? Das hätte ich nicht gedacht. Krass!

Welcher Moment war in der Nachbetrachtung schöner – das erste Spiel oder das erste Tor? Und warum?
Maza: Das erste Spiel! Plötzlich stand da beispielsweise Joshua Kimmich vor mir und hat mich verteidigt. Gegen diese ganzen Superstars aus der Champions League – das war schon etwas ganz Besonderes!

Bis zum ersten Treffer im Olympiastadion musstest du dann bis vor ein paar Wochen warten: Im Heimspiel gegen Paderborn war es soweit. Warum hat sich das Warten gelohnt?
Maza: Es war unglaublich, in meinem Heimatstadion zu treffen. Da ist ein Traum wahr geworden. Ich bin sehr froh darüber und hoffe nun, dass noch viele mehr folgen.

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Alle – der ganze Verein, die Fans, die Mannschaft, das Trainerteam – geben mir ein gutes Gefühl! Ich freue mich einfach auf jede einzelne Partie, die da noch kommt.
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-Ibrahim Maza

Trotz deiner erst 18 Jahre hast du dir im offensiven Mittelfeld schon einen Stammplatz erarbeitet. Obendrein trägst du seit Beginn dieser Saison wie einst beispielsweise Marcelinho die 10 auf dem Rücken. Was bedeutet dir diese Nummer?
Maza: Eine ganze Menge! Es zeigt mir einfach, wie sehr der Verein mich wertschätzt. Ich hoffe, dass ich das mit guten Leistungen zurückgeben kann.

Dein Weg in Blau und Weiß ist damit aber noch längst nicht beendet. Welche weiteren Meilensteine sollen folgen? Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Maza: Zum einen so viele Tore und Vorlagen wie möglich. Zum anderen hoffe ich natürlich, dass wir aufsteigen!

Was waren die entscheidenden Gründe für deine Vertragsverlängerung bei Hertha BSC? Worauf freust du dich in den kommenden Wochen und Monaten besonders?
Maza: Alle – der ganze Verein, die Fans, die Mannschaft, das Trainerteam – geben mir ein gutes Gefühl. Außerdem sind meine Familie und Freunde hier, das macht mich sehr glücklich. Ich freue mich einfach auf jede einzelne Partie, die da noch kommt und hoffe, dass es auch im DFB-Pokal noch so einige werden.

von Erik Schmidt